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  • Kirsten Hube

ÖKOLOGIE UND TECHNIK

Aktualisiert: Jan 20


Es gibt keine zweite Erde:


Auf Pump leben wir alle, schon längst – zumindest ökologisch.


Verbraucht die gesamte Menschheit doch bereits innerhalb eines Jahres mehr Ressourcen als die Natur bereitstellen bzw. sich regenerieren kann. Und das immer schneller.


Der so genannte Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day) erinnert uns regelmäßig daran: Schleichend rückt er von Jahr zu Jahr in unserem Kalender nach vorne. So hat die Weltbevölkerung für 2018 bereits seit dem 1. August sämtliche natürliche Ressourcen erschöpft. Schon jetzt würden für ein gesundes, ökologisches Gleichgewicht etwa 1,5 Erden benötigt.


Wir sollten also endlich unseren Konsum reduzieren, nachhaltig(er) leben. Doch reicht es aus, sich nach wie vor auf die klassischen Naturschutzthemen und Umweltverschmutzer zu konzentrieren? Wie wirken sich eigentlich Technologisierung, Digitalisierung auf Klima und Natur aus? Und kann die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) überhaupt grün(er) sein bzw. werden? Wir versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.



Digitalisierung – hui oder pfui?



Tatsächlich galten bisher vor allem der Auto- und Flugverkehr,

Chemiekonzerne und Kraftwerke (Kohle- und Atomkraftwerke) als DIE „Umweltverpester“ par exellence.




Schließlich setzen sie neben einem unvorstellbaren Energiebedarf Unmengen an schädlichen CO2-Emissionen frei und sorgen damit für den sogenannten Treibhauseffekt.

Dem Klimawandel wird also leider richtig "eingeheizt".





Seit einigen Jahren wird allerdings ein weiterer Aspekt kritisch betrachtet:


Die fortschreitende Digitalisierung. Klar, technische Innovationen wie Computer, Laptop, Tablet, (Smart)phone oder die globale Vernetzung über das Internet bilden mittlerweile DIE Basis für sämtliche Lebens- und Wirtschaftsbereiche.

Mobile Kommunikation und Information sind alltäglich geworden: Von Online-Einkäufen über Buchungen und Bankgeschäfte im Internet bis hin zu Videokonferenzen und Social Media. Sogar die intelligente, funktionale Steuerung betrieblicher Abläufe durch „smarte“ Steuerung ist selbstverständlich geworden.


Und lange Zeit glaubten wir, mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) recht umweltfreundlich zu handeln: Weder Menschen noch Güter oder Dienstleistungen werden räumlich bewegt. Alles läuft über das Netz. Und wir sparen dabei Zeit, natürliche Rohstoffe sowie Energie. Selbst der Ausstoß an schädlichen CO2-Emissionen reduziert sich demzufolge. Klingt verheißungsvoll, aber leben wir deswegen tatsächlich im Einklang mit unserer Erde? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist:



Nicht alles Gold glänzt


Denn bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Verhältnis der IKT unter ökologischen Gesichtspunkten eher ambivalent. Basiert doch die Funktionstüchtigkeit einer digitalen Gesellschaft auf entsprechender Hardware und den dazu gehörenden Infrastrukturen. Betrachtet man deren gesamten „Lebenszyklus“ - von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung – erkennt man schnell, ohne Energie bzw. Ressourcen geht es auch hier nicht.

Das beginnt bereits bei der Gewinnung bestimmter Rohstoffe, die Grundlage aller elektronischen Geräte.


Wertvolle Rohstoffe in Laptop, Smartphone & Co

Denn sowohl in der äußeren „Hülle“ als auch im Innenleben von Laptop, Handy & Co. stecken neben diversen Kunststoffen wertvolle Metallerze und Mineralien. In einem Smartphone sind das sogar bis zu 60 unterschiedliche Materialien wie

Tantal, Platin, Silber, Gold, Kupfer und Palladium.

Daneben finden sich aber auch diese ausgefallenen Namen:


Europium, Gadolinium, Yttrium, Neodym oder Lanthan.

Diese sogenannten „Seltenen Erden“ sind nicht erneuerbar und kommen nur sehr konzentriert in wenigen Ländern vor. Sie gelten als teures, knappes Gut.

Die Auswirkungen im Zuge der Veredelung sowie des weiteren Produktionsprozesses sind immens. So ist die Herstellung unter anderem mit einem intensiven Energieaufwand verbunden. Dabei verursacht bereits die Verarbeitung von einem Kilo Gold 17,9 Tonnen CO2-Äquivalente, bei der gleichen Menge Stahl wären es „nur“ 1,6 kg.


Hinzu kommen die nachhaltige Zerstörung von erheblichen Flächen an fruchtbarem Land und Verschwendung von Wasser.


Uganda, Afrika

Ein Gut, das in den meisten Abbauregionen der Rohstoffe – Afrika, Südamerika – ohnehin schon knapp bemessen ist.

Nicht zu vergessen die giftigen Stoffe, die während des Abbaus entstehen und ungehindert im Boden versickern.




Getoppt wird dies alles noch von menschenunwürdigen, ausbeuterischen Arbeitsbedingungen vor Ort:


Schlechte Bezahlung, ungenügender Arbeits- und Gesundheitsschutz. Ja sogar ganze Bürgerkriege wie im Kongo stehen im Verdacht, über den Abbau von Rohstoffen (Konfliktmineralien) finanziert zu werden.



Unstillbarer Hunger nach Ressourcen


Die benötigte Einzelmenge an Rohmaterialien (Metallerzen) für ein einziges Gerät mag gering sein, doch hochgerechnet auf etwa 140 Millionen Handys alleine in Deutschland landen wir bei unfassbaren Werten von 35.000 kg Silber oder 3.360 kg Gold.


Smartphone: Bedarf an Rohmaterialien

Reine Verschwendung! Ein Ende ist allerdings nicht in Sicht.

Im Gegenteil, der Verbrauch wird sich in Zukunft weiter erhöhen. Im Hinblick auf die Seltenen Erden soll sich der globale Bedarf sogar verdoppeln bis vervierfachen – je nach Metallart. Die Nachfrage an Tantal oder Kupfer könnte sich ebenfalls verdreifachen.



Aber: Nicht nur die komplette Fertigung von Handy, Laptop & Co. bedarf eines enormen (Umwelt-) Aufwands:


Auch die langen Transportwege sind nicht ohne. Bevor wir die Hardware überhaupt in Händen halten, hat diese eine regelrechte Weltreise hinter sich. Besser gesagt, die benötigten Bestandteile und Materialien: Rohstoffgewinnung in Afrika oder Südamerika, Verarbeitung in Asien, Transport bzw. Import nach Europa. Ob via Flugzeug, Schiff, Bahn oder LKW.



Besonders gut tut das unserer Umwelt nicht. Und ehe man sich versieht ist das Gewicht unseres ökologischen Rucksacks für einen Laptop auf unglaubliche 430 kg gestiegen.



Bleiben Sie fair!


Aber wie können wir unseren ökologischen Rucksack verkleinern? Was können wir verbessern? Ganz einfach: Bewusster einkaufen, „Wunschprodukte“ nicht gedankenlos oder dem neuesten Trend entsprechend in den Warenkorb werfen.


Die Herstellung bzw. den Vertrieb detailliert hinterfragen:


Wie können wir unseren ökologischen Rucksack verkleinern?
  • Woraus besteht das Produkt, aus welchen Rohstoffen?

  • Kommen vermehrt seltene, wertvolle Metallerze zum Einsatz?

  • Werden verträglichere Alternativen wie Recyclingmaterialien und nach-wachsende Rohstoffe verwendet?

  • Wie, wo und von wem werden die Geräte hergestellt bzw. transportiert?


Denn nachhaltig(er) lebt, wer sich beim „Shopping“ von Werten wie


Transparenz, faire Arbeits- und Umweltbedingungen sowie Nachvollziehbarkeit


leiten lässt. Um hierbei den Durch- und Überblick nicht zu verlieren, können wir uns als Verbraucher an bestimmten Zertifikaten und/oder Labels orientieren. Die bekanntesten sind wohl der Blaue Engel, das EU Ecolabel, TCO oder EPEAT.


Weitere Informationen finden sich auch unter www.oekotop100.de oder www.goodelectronics.org. Ebenso kompetente Ansprechpartner sind zudem Umweltorganisationen wie Greenpeace (siehe auch weitere Links am Ende des Artikels).


Übrigens: Wer sich für ein FairPhone oder eine faire Computermaus entscheidet, ist bereits auf einem guten Weg. Denn hier geht man innerhalb der gesamten Produktions- und Lieferkette mit vielen guten Beispielen voran:

  • Konfliktfreie Materialien

  • bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken vor Ort

  • robustes Design

  • mit austauschbaren recyclingfähigen Modulen



Ohne Strom läuft nichts


Natürlich entfalten die neuen Technologien ihre Funktionstüchtigkeit nicht durch die bloße Kraft von Worten. Stattdessen benötigen sämtliche Endgeräte Strom. Und das nicht zu knapp.

Stromverbrauch der neuen Technologien

Aufgrund des rasanten Wachstums der Digitalisierung lag bereits im Jahr 2010 alleine in Deutschland der gesamte durch IKT bedingte Verbrauch bei ca. 55 Terrawattstunden. Bildhaft ausgedrückt ist dafür die Arbeit von etwa fünf bis zehn Kraftwerken – je nach Art, Größe und Leistung – nötig.


Nur ein Teil davon ist die jedoch direkte Folge der Nutzung von „Hardware“. Der Rest geht auf das Konto der gesamten Netzinfrastruktur (Rechenzentren, Server, Mobilfunknetze etc.).

So gesehen werden jährlich etwa zwischen 23 und 33 Millionen Tonnen an CO2 freigesetzt. Unvorstellbar, aber entsprechend dieser Menge könnten wir über 7,5 Millionen Male von Frankfurt nach New York in den Urlaub fliegen. Weltweit gesehen ist die Informations- und Kommunikationstechnologie sogar für 2% des gesamten CO2-Ausstoß verantwortlich. Sie steht dem globalen Flugverkehr (leider) in Nichts nach.



Alles Re-Bound, oder was?

Obwohl dank fortschrittlicher, innovativer technischer Optimierung immer mehr „energiesparende“ IKT-Produkte auf den Markt drängen, liegt der gesamte Stromverbrauch nach wie vor zu hoch. Langfristig gesehen erhöht sich der Energiebedarf sogar. Ein Phänomen, welches unter dem Begriff Rebound-Effekt bekannt ist.

Rebound-Effekt

Schuld daran ist zumeist unser eigenes Nutzungsverhalten als Konsumenten: Innovationen in punkto Energiebilanz und Funktionen verführen uns geradewegs dazu, uns zum Beispiel mehr als einen Laptop, ein Tablet bzw. Smartphone anzuschaffen.


Der Trend verweist eindeutig Richtung Zweit- oder gar Drittgerät. Verstärkt wird dieser einerseits dadurch, dass die neuen Technologien mittlerweile recht günstig im Anschaffungspreis sind. Andererseits werden wir durch die Werbemaßnahmen der jeweiligen Hersteller beeinflusst. Suggerieren sie uns doch, unsere Modelle schneller durch die „hippen“ Nachfolger auszutauschen. Schließlich seien diese wesentlich effizienter.


Und das Resultat? Die zunehmende Masse an Geräten lässt jegliche positive Effekte regelrecht verpuffen. Denn es hängen noch mehr an der (Steck)Dose: Nicht nur im Job verfügen wir über „High-Tech-Ausstattung“. Mittlerweile sind bis zu 88 Prozent der privaten Haushalte mit einem PC oder Notebook ausgestattet. Der Anteil an mobilen (Smart)Phones liegt sogar bei rund 95 Prozent. Tendenz anhaltend steigend. Darüber hinaus nutzen wir alles länger, intensiver à la „Verbraucht ja kaum noch Strom“ - ein Trugschluss.



Effizient und bedarfsorientiert – die passende Ausstattung


Aber: Wie entkommen wir am besten der Rebound-Spirale? Auf welchem Wege können wir selbst, den Strom- und Energieverbrauch unserer Geräte drosseln? „Energieeffizient und bedarfsorientiert handeln“ lautet hier das Motto. Das gilt sowohl für die digitale Ausstattung von Arbeitsplätzen im Unternehmen als auch für die in den eigenen vier Wänden.


Also stürzen Sie sich nicht gleich kopflos ins „Online-Shopping“, sondern werden Sie sich in Ruhe darüber klar:


Der Rebound-Spirale entkommen:
  • Welches Equipment benötige ich wirklich,

  • wie viel davon und

  • welchen technischen Anforderungen soll es standhalten?

Wer nur selten das Internet nutzt und ein paar Dokumente bearbeitet, benötigt sicherlich keinen über-dimensionierten „Gamer- oder Multimedia-PC“. Bestückt mit einer großen, leistungsstarken Grafikkarte verprasst dieser geradezu Energie.


Und es muss ja auch nicht immer der klassische Desktop-PC sein, oder? Eine gute Alternative stellen auch Laptop und „ThinClient-Lösungen“ dar. Sie sparen neben Strom auch Ressourcen ein. So verbrauchen besonders die extrem „schmalen“ Rechner laut Berechnungen des Fraunhofer-Instituts bis zu 50% weniger Energie als die herkömmliche PC-Lösung. Und das obwohl die Server gleichzeitig mehr leisten müssen. Schließlich wird hier die komplette Anwendungssoftware zentral installiert und abgerufen.


Einziger Wermuts-tropfen: ThinClients lohnen sich hauptsächlich für eine größere Anzahl von Nutzern mit gleichem IT-Bedarf. Darüber hinaus punkten sowohl Laptop als auch „ThinClients“ ganz klar mit „Materialeffizienz“: Je kleiner, desto weniger natürliche Rohstoffe werden verarbeitet.



Unnötige Stromfallen vermeiden!

Unnötige

Stromfallen vermeiden


Eine bedarfsorientierte Tech-Ausstattung ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt Richtung „grüne“ IKT. Jedoch nicht ausreichend.


Jetzt geht es darum, das Equipment möglichst strom- und energiesparend einzusetzen:


  • Achten Sie daher bereits bei der Auswahl zwischen mehreren gleichwertigen Produkten auf den Faktor Energieeffizienz. Eine gute Orientierung bieten hier unter anderem das Label Energy Star.

  • Darüber hinaus kann es in bestimmten Fällen sinnvoll sein, mehrere Geräte durch ein Multifunktionsgerät zu ersetzen.

  • Da die heutige Technik meistens mit so genannten Energiesparfunktionen ausgestattet ist, schadet es mit Sicherheit nicht, diese zu aktivieren. Mit Hilfe dieser können einzelne Systemkomponenten abgeschalten werden, sofern sie nicht gebraucht werden.

  • Am besten ist es aber, ungenutzte Geräte komplett von der Stromzufuhr zu trennen, also PC oder Handy einfach mal abschalten! Denn auch Standby-Modus oder Bildschirmschoner kosten Energie.



„Always-On“ - ein Muss?


Unsere Geräte haben wir nun im Griff. Jedoch lässt sich unser eigenes Verhalten im Umgang mit der Digitalisierung verbessern. Denn die zunehmende Mobilität und Multifunktionalität ziehen uns noch zu sehr in ihren Bann:


Always-On-Paradigma

Die immer kleinere, handlichere Hardware fasziniert mit vielen gleichzeitigen leistungsstarken Funktionen: Von der telefonischen Erreichbarkeit abgesehen schreiben wir fleißig E-Mails, chatten, streamen, fotografieren und surfen. Ja, sogar Bilder oder Videos werden auf die unterschiedlichsten Plattformen hochge- laden. Wir sind mittlerweile ständig überall erreichbar, sind stets online.



Allerdings führt uns dieses „Always-On-Paradigma“ in das nächste Dilemma.

Always On: Ein Muss?

Denn mittlerweile sind weltweit täglich bis zu 2,5 Milliarden Menschen online – teilweise bis zu mehreren Stunden. Während wir sorglos im Internet surfen, unsere Social Media Kontakte pflegen oder Mails bearbeiten, leidet wieder einmal die Umwelt:






Das Internet: ein Klimakiller?


Das Netz samt seiner Infrastruktur frisst jede Menge Strom, bläst Tonnen an Kohlendioxid in die Atmosphäre. Eine Suchanfrage, Recherche ist zwar recht flink eingetippt, löst aber gleichzeitig einen recht aufwändigen Verarbeitungsprozess aus.

Datenpakete werden über unzählige Netzwerkverbindungen hin- und hergeschickt, bearbeitet sowie auf hunderten bis tausenden Servern in Rechenzentren rund um den Globus gespeichert. Diese sind rund um die Uhr in Betrieb, müssen durchgehend gekühlt werden, um reibungslos zu funktionieren – und das weltweit.


Wussten Sie eigentlich, dass bereits eine einzelne Suchanfrage bei Google vier Wattstunden an Strom verbrauchen soll, demzufolge also zwei Gramm Co2 produzieren würde? Damit könnte eine 11-Watt-Energie-sparlampe eine Stunde lang leuchten. Der Konzern selbst berechnet nur 0,3 Wattstunden sowie 0,2 Gramm Kohlendioxid – bei einer durchschnittlichen Anfrage von 0,2 Sekunden. Nicht zu vergessen der immense Stromverbrauch der Rechenzentren: Mit den etwa 260 Millionen Watt könnte der „Suchmaschinen-Riese“ eine Stadt mit ca. 200.000 Einwohnern versorgen.



Cloud-Computing & Bitcoin-Mining: Fluch oder Segen?


Trotz divergierender Zahlen: Klimaneutral geht anders. Umweltexperten befürchten jedoch, der Energiehunger der digitalen Welt ist nicht so schnell zu stillen – eher im Gegenteil. Schließlich weisen die Trends eindeutig in Richtung weiterer Ausbau sowie Vernetzung: Das „Internet der Dinge“ (IOT), „CloudComputing“ oder die digitale Währung BitCoin sind hier die Schlagworte. Dann werden noch mehr Daten automatisch erzeugt, übertragen, überarbeitet und gespeichert. Die Bedeutung von Rechenzentren, ihrem Strombedarf und damit dem Internet würde noch stärker steigen. Der jährliche Bedarf in Deutschland liegt jetzt schon bei rund 17 Terrawattstunden.


Besonders der Hype um das „Mining“ (Schürfen, Verarbeiten) des Bitcoins

ist in die negativen Schlagzeilen gerutscht. Denn die dahinter steckende Technologie „Blockchain“ erfordert eine extrem hohe Rechenleistung- und entsprechend aufwändig ist der Energiebedarf.




So liegt der für das Jahr 2018 zu erwartende Stromverbrauch für den Handel mit Bitcoins aktuell bei 44,54 Terrawattstunden. Vergleichbar ist dieser mit dem der Länder Singapur oder Portugal. Jede zusätzliche Transaktion lässt den Energieaufwand allerdings ansteigen: Bereits mit einer einzigen ist ihr Kühlschrank für ein ganzes Jahr bestens präpariert.



Und letztendlich ist es auch ein „dreckiges Geschäft“. Denn alljährlich verpesten etwa 23,78 Millionen Tonnen CO2 unsere Luft.


Kein Wunder, stehen die meisten Server-Farmen für das Mining in China, wo 2/3 des Stroms in Kohlekraftwerken erzeugt wird.


Investieren Sie also lieber in ökologische Alternativen wie den SolarCoin. Wer trotzdem nicht von den herkömmlichen BitCoins lassen möchte: Einen innovativen Ansatz verfolgt das Wiener Unternehmen „HydroMiner“: Das Schürfen der Kryptowährung erfolgt ausschließlich über die Energie aus Wasserkraftwerken.


Richtig Surfen will gelernt sein


Letztendlich hinterlassen wir auch über das Internet und seine Netzinfrastruktur einen viel zu großen CO2- Fußabdruck.

Bewusstes Surfen

Aber, er lässt sich verkleinern. Bewusstes, zielgerichtetes Surfen ist hier das Mittel der Wahl. Je genauer wir wissen, nach welchen Informationen wir suchen, desto schneller gehen Anfragen von der Hand und desto treffsicherer sind unsere Ergebnisse. Nur aus reiner Langeweile online zu sein sollten wir uns strikt verbieten.


Ach ja.. Installierte Spam-Filter sind eine richtig clevere Sache: Sie schützen uns nicht nur vor unnötigen oder gar „infizierten“ Nachrichten. Vielmehr reduzieren sie deutlich den damit verbundenen Energieaufwand - weltweit auf 33 Terrawattstunden (TWh) geschätzt.


Selbst die Wissenschaft bemüht sich inzwischen darum, den gewaltigen Energiehunger des Netzes zu bändigen. So wollen Forscher das Senden einzelner Datenpakete „runterbremsen“. Aufgrund der damit verbundenen geringeren Belastung der Netzwerk-Hardware wären Einsparungen von bis zu 50 Prozent möglich.



Wie sauber ist Ihre Wolke?

Sie möchten noch mehr tun? Nur zu, die Möglichkeiten sind vielfältig!

Ökologische Suchmaschinen

Testen Sie doch statt der üblichen, allseits bekannten einfach eine der ökologischen Suchmaschinen, z.B. Ecosia, Ecosearch oder GoodSearch: Sie alle gleichen CO2 in Form von Zertifikaten aus oder spenden einen Teil ihrer Einnahmen an gemeinnützige Einrichtungen, die Bäume pflanzen bzw. sich komplett dem Naturschutz verschrieben haben. Auch Google soll laut eigenen Aussagen inzwischen CO2- neutral agieren (siehe Google).


Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, sollte Provider und Rechenzentren auf Herz und Nieren prüfen.

Provider und Rechenzentren auf Herz und Nieren prüfen:
  • Wie wichtig ist diesen das Thema Klimaneutralität?

  • Welche Stromquellen nutzt er: Ökostrom oder doch die althergebrachten Kohle- bzw. Atomenergie?

  • Kümmert er sich um eine optimale Kühlung bzw. Auslastung der Server? Schließlich werden besonders in diesen beiden Bereichen riesige Mengen an Energie unnötig verpulvert. Das muss nicht sein: Wer clever ist, nutzt kühle Außentemperaturen. So lassen sich moderne Serverfarmen zunehmend in Island, Norwegen oder Grönland nieder. Denn parallel zum Aufwand an zusätzlicher Kühlung für die Aggregate sinkt der Strombedarf.

  • Was passiert, wenn die Kapazitäten der Server zu gering genutzt werden, die Auslastung bei nicht mehr als 10% liegt?

  • Existieren entsprechende (technische) Anpassungen? Beispielsweise zwischenzeitlich ein Übergang in den Stand-by-Betrieb? Von Bedeutung ist darüber hinaus das gesamte Equipment. Hard- und Software sollten Up-to-Date sein, dem neusten Energie-Level entsprechen.


Wer selbst ein kleines Unternehmen führt - sei es privat, sei es gewerblich - unterhält zumeist lokale Server an einem oder mehreren Standorten unterhält. Hier empfiehlt es sich zu hinterfragen, ob sich diese Lösung rechnet. Möglicherweise erweist sich hier die externe „Cloud-Lösung“ als sinnvoller. Bis dato gibt es allerdings laut Experten kein eindeutiges Forschungsergebnis dazu, welche Lösung die umweltfreundlichere ist. Vielleicht reicht es auch aber aus, mehrere Standort einfach zu bündeln, damit die Anzahl an Rechenzentren inklusive Equipment zu verringern.


Und zu guter Letzt:

Wie grün ist Ihre Cloud?

Wissen Sie eigentlich, wie „schwarz“ oder „grün“ die Cloud, die Rechenzentren bestimmter IT-Unternehmen, Provider etc. sind? Greenpeace veröffentlicht dazu regelmäßig Studien .


Natürlich können Sie auch ihre eigene Ökobilanz verbessern. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, nutzen Sie Strom aus regenerativen Quellen. Oder nutzen Sie die Abwärme ihres Serverraumes sinnvoll weiter, indem Sie damit das Bürogebäude heizen.



„Ex und Hopp“ - Endstation Müllhalde


Egal wo, egal wie wir unsere „High-Technology“ samt Hardware einsetzen.


Das Ende ist gleich: Laptop, Smartphone, Rechner, Server oder Kabel landen auf dem Müll. Der Digitalboom der letzten Jahre hat den riesigen Berg an Elektro-schrott aus der IKT innerhalb der EU auf mehr als 1 Million Tonnen anwachsen lassen, so die Vereinten Nationen.



Schließlich tauschen wir unsere technischen Gadgets durchschnittlich alle 2 Jahre aus.


Die Gründe sind vielfältig. Sei es aufgrund der relativ kurzen Lebensdauer der Geräte, fehlender technischer Kompatibilität von Hard- und Software nach Up-Dates. Und manch Tech-Freak möchte stets „Up to Date“ sein.


Ein Prozess mit weitreichenden Folgen. Viele Rohstoffe sind unwiderruflich verloren- und ganz ohne Freisetzung schädlicher Emissionen geht die Entsorgung in Verbrennungsanlagen ebenfalls nicht von Statten.



Qualität statt Quantität

High Tech-Geräte: Langlebigkeit gefragt!

Wir müssen unserem „Wegwerfwahn“ deshalb regelrecht Einhalt gebieten. Weg von der Mentalität des „Ex und Hopp“, hin zur „Langlebigkeit“. Das beginnt bereits bei einem nachhaltigen Design. „High-Tech-Geräte“ sollten also entsprechend konzipiert sein – modular aufgebaut, reparierbar und wiederverwertbar. So lassen sich einzelne Teile wie Prozessoren, Arbeitsspeicher, Grafikkarten, Akkus etc. leichter einem „Upgrade“ unterziehen und entsprechend „aufpimpen“. Wer braucht da bitte schön noch die brandaktuelle Version des Iphones, des Ipads? Nicht optimal? Dann sollten die „überholten“ Gadgets zumindest über den Gebrauchtmarkt verkauft werden.


Aber wir müssen ja nicht immer alles gleich besitzen. Schon längst hat sich in den letzten Jahren der Trend des „Sharings“ (Teilens) durchgesetzt.



Reparieren, Recyclen – die Königsdisziplinen

Smartphone, Tablet, Laptop kaputt?

Und wenn doch etwas kaputt geht, lohnt sich der Weg zu spezialisierten Repair-Shops bzw. Repair-Cafés. Und in den meisten Fällen ist die „Hardware“ sogar noch zu retten.


Wenn nicht, dann gilt: Bitte fachgerecht entsorgen! Der Hausmüll ist tabu. Bestehen die Geräte doch aus seltenen, wertvollen Rohstoffen wie Gold, Silber, Kupfer oder Palladium. Wertstoffe, die durch geeignetes Recycling „zurückgewonnen“ und somit „wieder-verwendet“ werden können. Selbst wenn dieser Prozess noch verbesserungsfähig ist. Denn trotz vorhandener, fortschrittlicher Technologie findet für viele zahlreiche Mineralien und Metalle keine ausreichende Verwertung statt. Die Recyclingquoten sind zu gering. Für „seltene Erden“ wird ein solcher Prozess sogar bisher fast gar nicht angeboten – zu teuer. Also, lassen sie ihr teures Hab und Gut nicht in der Schublade verrotten. Auf geht’s zum nächsten Wertstoff-/Recyclinghof.


Zu weit weg? Dann einfach an den Hersteller zurückschicken. Laut WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment) der EU ist er dazu verpflichtet, es anzunehmen und eine fachgerechte Verwertung/Entsorgung zu garantieren. Oder Sie bringen es einfach dem Händler zurück, bei dem Sie es gekauft habt. Er kümmert sich dann um alles Weitere. Leider landen viele Altgeräte trotzdem illegal in Hinterhöfen diverser Entwicklungsländer.


Übrigens: Es schadet sicherlich nicht, beim Kauf nach Garantien für Ersatzteile sowie deren Verfügbarkeit zu fragen.



Jeder Fortschritt ist (k)ein Rückschritt


Die schöne neue Welt der Digitalisierung hat also auch ihre Schattenseiten. Trotzdem können wir unseren Beitrag dazu leisten, technologischen Fortschritt und ökologisches Handeln miteinander zu vereinen. Solange wir uns darüber im Klaren sind, dass wir auch hier nachhaltiger, ressourcensparender leben müssen. Denn Nachhaltigkeit ist DAS Gebot der Stunde, wollen wir noch über Generationen hinaus auf unserem Planeten Erde (über)leben. Also, packen wir es an!


Ökologie und Technik: Nachhaltigkeit ist das oberste Gebot!


Sie möchten sich intensiver mit diesen Themen beschäftigen? Wir empfehlen Ihnen folgende Links:

Greenpeace Österreich

Global2000

Nachhaltig-Sein.info



Recherche und Text: Kirsten Hube, unsere freie Autorin in München

Textmitwirkung, -bearbeitung und Layout: Sabine Krückl, Management Assistant bei Passionate Digital


Haftungsausschluss: Alle Informationen sind ausschließlich zur allgemeinen und unverbindlichen Information. Trotz sorgfältiger, intensiver Recherche nach bestem Wissen übernehmen wir keine Gewähr für Korrektheit, Vollständigkeit und Aktualität.

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